Lernstation 3: Abläufe und Zusammenhänge

In der Lernstation 3 finden Sie einen vergleichenden Arbeitsauftrag und drei Arbeitsaufträge zu Einzelphänomenen, die Sie in der Gruppe oder einzeln bearbeiten können.

In der Lernstation 3 geht es darum, die Abläufe sowie die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Zwangsmigrationen aufzuzeigen. In ausgewählten Texten und Dokumenten erfahren Sie mehr über die Hintergründe und unterschiedliche und vergleichbare Verläufe.

Griechisch-türkischer Bevölkerungsaustausch
Die Geschichte der Zwangsmigrationen beginnt in Europa mit den Balkankriegen (1912/13), als erstmals im 20. Jahrhundert massenhaft Menschen vertrieben wurden. Dies betraf anfänglich vor allem die Muslime. Der Erste Weltkrieg (1914–1918) und der griechisch-türkische Krieg 1920–1922 führten zu einer territorialen Neuordnung der gesamten Region und zu systematisch durchgeführten Bevölkerungsverschiebungen. Grundlage dafür war das Abkommen von Lausanne zwischen Griechenland und der Türkei aus dem Jahre 1923, in dem die Zwangsumsiedlung von ca. 1,3 Millionen Griechen aus Kleinasien und dem Pontos sowie ca. 400 000 Türken bzw. Muslime aus Griechenland beschlossen wurde.

Deutsche und polnische Vertreibung und Umsiedlung
Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung zu einer der größten Völkerwanderungen in der europäischen Geschichte. In Europa waren vor allem Polen und Deutschland davon betroffen. Als die Grenzen Polens im Jahr 1945 nach Westen verschoben wurden, mussten Millionen Polen und Deutsche ihre Heimat verlassen: Aus dem polnischen Osten, der nun zur Sowjetunion gehörte, wurden die Polen nach Westen umgesiedelt, in die ehemals deutschen, nun an Polen abgetretenen Gebiete. Von dort wiederum wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, sofern sie nicht schon vor der heranrückenden Roten Armee geflohen war, und durch polnische Neusiedler ersetzt, die meisten von ihnen Umsiedler aus ihrer verlorenen Heimat in Ostpolen.

„Ethnische Säuberung“ in Bosnien
Im Frühjahr 1992 begann mit dem Krieg in Bosnien-Herzegowina ein Völkermord mitten in Europa: Bis zum Kriegsende im Jahr 1995 wurde knapp die Hälfte der 4,35 Millionen Einwohner Bosnien-Herzegowinas zu Flüchtlingen und Vertriebenen. Von den fast zwei Millionen Betroffenen konnten bis heute mehrere Hunderttausend aus dem Ausland oder aus anderen Landesteilen in ihre Heimat zurückkehren. Die Rückkehrer stehen vor der schwierigen Herausforderung, die das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Serben heute darstellt.

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