Lernstation 4: Folgen interpretieren

Die Lernstation 4 bietet vier übergreifende und vergleichende Arbeitsaufträge und drei Arbeitsaufträge zu Einzelphänomenen an, die Sie einzeln oder in der Gruppe erarbeiten können.

Hier können Sie herausfinden, welche Herausforderungen sich für die Vertriebenen und Flüchtlinge selbst und für die Gesellschaft insgesamt nach Flucht und Vertreibung ergaben.

Diese Lernstation behandelt folgende Fragen:

Zwangsmigrationen brachten grundlegende soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen mit sich. Die Betroffenen hatten Eigentum, gesellschaftliche Stellung, ihre Heimat und meist noch Angehörige verloren und standen vor einer ungewissen Zukunft.

Aufnahmegesellschaften befinden sich nach dem Ende von Kriegen bzw. kriegerischen Auseinandersetzungen im Umbruch und in Not und sind daher gegenüber Neuankömmlingen meist abweisend. Spannungen und Konflikte zwischen Flüchtlingen und Einheimischen sind die Folge. Zumeist bedarf es mehrerer Generationen, bis die Folgen von Flucht und Vertreibung überwunden sind. Leidvolle Erfahrungen leben bis heute in der Erinnerung der Betroffenen, ihrer Kinder und im kollektiven Gedächtnis fort.

Die Voraussetzungen für das Einleben haben sich im Laufe des 20. Jahrhunderts gewandelt. Erst in den 1990er Jahren hat sich die Staatengemeinschaft zum Prinzip gemacht, ethnische Vertreibungen nicht anzuerkennen und sofern möglich rückgängig zu machen. Nach dem Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien wurde erstmals im Friedensabkommen von Dayton (1995) das Ziel der Rückführung  für die Flüchtlinge und Vertriebenen aus Bosnien-Herzegowina vorgegeben. Die Möglichkeit einer späteren Rückkehr in die Heimat war hingegen im Lausanner Vertrag von 1923 für Griechen und Türken sowie im Potsdamer Abkommen von 1945 für die deutschen Vertriebenen und Flüchtlinge nicht vorgesehen. Folglich war die Integration der Betroffenen in die aufnehmende Gesellschaft unumgänglich.

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