Arbeitsauftrag 3c: Was ist ein Flüchtling, was ein Vertriebener?

Gruppe Einzelarbeit    Uhr 45 Minuten

Ziel des Arbeitsauftrages

In diesem Arbeitsauftrag geht es um die Unterscheidung der Begriffe Flüchtling und Vertriebener. Die heute in Deutschland gängigen Definitionen hängen direkt mit den unterschiedlichen Ursachen für die damaligen Zwangsmigrationen in den 1940er Jahren zusammen. Die deutschen Flüchtlinge flohen vor der vorrückenden Roten Armee, die deutschen Vertriebenen wurden aufgrund der Beschlüsse der Alliierten und ihrer Verbündeten vertrieben. In der Nachkriegszeit hat sich in der Bundesrepublik Deutschland der Begriff der Vertreibung und der Vertriebenen durchgesetzt. Prägend war hier das Bundesvertriebenengesetz (1953). In der DDR sprach man hingegen von „Umsiedlern“.

Im Gegensatz zur so genannten organisierten Vertreibung, die ihren Anfang mit dem Inkrafttreten des Potsdamer Abkommens nahm, fanden zuvor so genannte wilde Vertreibungen statt, die meist Ausdruck von verbreitetem und politisch geduldeten und sogar heimlich gelenktem Hass waren.

Zum Einstieg:

Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und Vertriebenen

„Das 20. Jahrhundert wurde manchmal das Jahrhundert der Flüchtlinge genannt. Das ist nicht ganz genau. Flüchtlinge hat es immer gegeben, wenn auch nie so viele wie in der Weltkriegsepoche mit ihren Massenevakuierungen vor heranrückenden Fronten, mit ihren Emigrationen und Deportationen. Aber wer evakuiert wird, kehrt nach dem Ende des Ausnahmezustandes und dem Ende von Kriegshandlungen vielleicht zurück. Wer flüchtet, kann sich, wie groß das Risiko auch immer sein mag, zur Heimkehr entschließen. Wer aber vertrieben wird, weil er einer bestimmten Gruppe angehört, hat keine Wahl. Am allerwenigsten derjenige, der einer ethnischen Gruppe angehört; denn Konfessionen, Sprachen oder politische Anschauungen kann man wechseln, eine Herkunft nicht. Vertreibungen sind so gut wie endgültig. Diese Unterscheidungen sind wichtig nicht der Begriffsklärung wegen, sondern weil sie im Zeitalter des Ordnungs- und Säuberungswahns über Leben und Tod entscheiden können.“

Quelle: Karl Schlögel, DIE ZEIT, 18/1999

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